Donnerstag, 21.01.2010, 07:15 Uhr
LÜKEX
„LÜKEX“ steht für Länder Übergreifende Krisenmanagement-Übung/EXercise. LÜKEX ist die Bezeichnung für eine Übungsserie im Bereich des nationalen Krisenmanagements in Deutschland.
In der Bundesrepublik haben die Terroranschläge vom 11.09.2001 und das Elbehochwasser im Sommer 2002 zu einem Umdenken geführt: Die Krisenanfälligkeit und Verwundbarkeit moderner Gesellschaften erfordern ressort- und länderübergreifende Übungen im Krisenmanagement. Die Innenministerkonferenz hat daher im Jahre 2002 eine Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung beschlossen und die Notwendigkeit von Übungen auf politisch-administrativer Ebene (strategische Krisenmanagement). Seit 2009 ist diese Aufgabe auch gesetzlich verankert (vgl. §14
Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes).
Übungsserie LÜKEX
In der Bundesrepublik Deutschland fanden seit 2004 drei LÜKEX-Übungen für den Krisenstab der Bundesregierung sowie die Krisenstäbe der Landesregierungen statt. Folgende Szenarien wurden zugrunde gelegt und in ihren gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen simuliert:
* LÜKEX 04: Terroranschlag, Stromausfall,
* LÜKEX 05: „WM 2006“
* LÜKEX 07: Pandemie
Damit haben sich bis heute alle Bundesländer mindestens einmal an den Übungen als Kernübungsland aktiv beteiligt. Grundsätzlich Übergeordnetes Ziel der Übungsserie ist es, die Übungskultur im Bereich des strategischen Krisenmanagements aufgrund neuer Sicherheitsherausforderungen nachhaltig weiterzuentwickeln.
Konzept
LÜKEX ist als strategische Stabsrahmenübung konzipiert, d. h. es handelt sich dabei nicht um eine Vollübung. In der Durchführungsphase sind bis zu 3000 Personen aus den Krisenstäben der Kernübungsländer und weiteren Übungsbeteiligten (in Form sog. Rahmenleitungsgruppen) in das Übungsgeschehen eingebunden.
Der Übungsvorbereitung, die bis zu 18 Monaten dauert, kommt eine herausragende Funktion zu: In einer Vielzahl von Arbeitstagungen und Abstimmungsbesprechungen werden gemeinsame szenarienbezogene Standards der Krisenbewältigung entwickelt und fortgeschrieben. Einen besonders hohen Stellenwert nimmt die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Krisenkommunikation ein. Dabei spielen vorbereitete LÜKEX-TV-Sendungen, Presseartikel und Einlagen durch Journalisten eine zentrale Rolle.
Erkenntnisse der Übung werden in einem abschließenden Auswertungsbericht zusammengefasst.
Organisation
Zur Planung und Durchführung LÜKEX-Übung richtet das Bundesministerium des Innern in Abstimmung mit den Ländern alle zwei Jahre eine Bund-Länder-Projektorganisation ein. Übungsziele und Übungsschwerpunkte werden in einem Grundlagendokument (sog. Übungsrahmen) niedergelegt. Ein interministerielles Aufsichtsgremium (Lenkungsausschuss LÜKEX) verantwortet die Übung politisch. Die Projektleitung obliegt dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Lehrbereich IV.6 /PG LÜKEX).
Die Projektgruppe LÜKEX stimmt Einzelheiten der Übungsanlage und Übungsdurchführung mit den jeweiligen Teilprojektgruppen der beteiligten Bundesländer (Kernübungsländer) ab. Betroffene Bereiche der Kritischen Infrastruktur werden intensiv einge-bunden. Für die Übungssteuerung wird ein separates Kommunikationsnetz aufgebaut.
System LÜKEX
LÜKEX ist inzwischen zu einem anerkannten Markenzeichen eines vorausschauenden Krisenvorsorgesystems geworden. Neben der Erprobung des länder- und bereichsübergreifenden Krisenmanagements und der Fortentwicklung bestehender Krisenmanagementstrukturen steht die Bildung von bereichsübergreifenden Kooperationsnetzwerken im Vordergrund. Krisen- bzw. Verwaltungsstäbe von Bund und Ländern bereiten sich so gemeinsam mit privaten Betreibern Kritischer Infrastrukturen, Hilfsorganisationen und Verbänden auf gesamtstaatliche und länger anhaltende außerordentliche Krisenlagen vor. LÜKEX hat sich so zum Motor innerhalb der Entwicklung des strategischen Krisen-managements in der Bundesrepublik entwickelt. Die Übungsergebnisse, fließen in Handlungsempfehlungen für das strategische Krisenmanagement, in die Aus- und Fortbildung, die Weiterentwicklung technischer Führungs- und Einsatzmittel und die Forschung im Bevölkerungsschutz ein.
LÜKEX aktuell
In der aktuellen LÜKEX-Übung 09/10 stehen Androhung und Durchführung von Terroranschlägen mit CBRN-Tatmitteln („Schmutzige Bombe“) im Vordergrund. Zusammen mit allen Kooperationspartnern werden Themenworkshops zu wichtigen Fachthemen des Szenarios durchgeführt. Ziel ist es, den Vorberei-tungsprozess LÜKEX möglichst nachhaltig zu nutzen.
Folgende Teilaspekte des Übungsszenarios werden in den Workshops behandelt:
* Zweitanschlagsproblematik .
* Psychosoziale Aspekte des Krisenmanage-ments
* Detektion, Dekontamination/ Behandlung kontaminierter Verletzter
* Risiko- und Krisenkommunikation in CBRN-Lagen
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